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Wann ist nach der KVKK keine ausdrückliche Einwilligung erforderlich?

Die Verarbeitung personenbezogener Daten nach dem Gesetz über den Schutz personenbezogener Daten Nr. 6698 (KVKK) beruht in der Regel auf der ausdrücklichen Einwilligung der betroffenen Person.…

⏱️ Lesezeit: 8 min · 📁 Kategorie: KVKK & Digitale Compliance

Wann ist nach der KVKK keine ausdrückliche Einwilligung erforderlich?

Die Verarbeitung personenbezogener Daten nach dem Gesetz über den Schutz personenbezogener Daten Nr. 6698 (KVKK) beruht in der Regel auf der ausdrücklichen Einwilligung der betroffenen Person.
In einigen Fällen erlaubt das Gesetz jedoch die Verarbeitung personenbezogener Daten ohne ausdrückliche Einwilligung.

Dieser Artikel erläutert klar und systematisch die Fälle, in denen nach der KVKK keine ausdrückliche Einwilligung erforderlich ist.

📌 Was ist ausdrückliche Einwilligung? Eine kurze Erinnerung

Ausdrückliche Einwilligung ist eine Einwilligung, die:

  • sich auf einen bestimmten Sachverhalt bezieht,
  • auf Information beruht und
  • freiwillig erteilt wird.

Nach der KVKK ist ausdrückliche Einwilligung keine Ausnahme, sondern eine ergänzende Rechtsgrundlage.
Liegt eine der im Gesetz genannten Verarbeitungsbedingungen vor, ist keine ausdrückliche Einwilligung erforderlich.

⚖️ Fälle ohne Pflicht zur ausdrücklichen Einwilligung nach der KVKK

Art. 5 Abs. 2 KVKK enthält eine abschließende Liste der Fälle, in denen personenbezogene Daten ohne ausdrückliche Einwilligung verarbeitet werden dürfen.

1️⃣ Ausdrückliche gesetzliche Regelung

Sieht ein anderes Gesetz die Verarbeitung personenbezogener Daten ausdrücklich vor, ist keine ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person erforderlich.

  • Abrechnungsinformationen im Steuerrecht
  • SGK-Meldungen nach dem Arbeitsgesetz
  • Strafregister nach Strafgesetzen

In diesen Fällen ist die Datenverarbeitung die Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen.

2️⃣ Tatsächliche Unmöglichkeit der Einwilligung

Eine ausdrückliche Einwilligung ist nicht erforderlich, wenn die betroffene Person sie aus tatsächlichen Gründen nicht erklären kann und die Verarbeitung zum Schutz von Leben oder körperlicher Unversehrtheit folgender Personen notwendig ist:

  • der betroffenen Person oder
  • einer anderen Person.

Unter diesen Voraussetzungen wird keine ausdrückliche Einwilligung verlangt.

Beispiel: Verarbeitung der Gesundheitsdaten einer bewusstlosen Person zur Notfallversorgung. 3️⃣ Unmittelbarer Bezug zum Abschluss oder zur Erfüllung eines Vertrags

Für die Verarbeitung, die unmittelbar zum Abschluss oder zur Erfüllung eines Vertrags mit der betroffenen Person erforderlich ist, wird keine ausdrückliche Einwilligung verlangt.

  • Anschrift und Kontaktinformationen zu E-Commerce-Bestellungen
  • Empfängerdaten für die Paketzustellung
  • Benutzerinformationen über Abonnementdienste

Entscheidendes Kriterium: Die Datenverarbeitung muss für den Vertrag unmittelbar erforderlich sein.

4️⃣ Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtung

Eine ausdrückliche Einwilligung ist nicht nötig, wenn die Verarbeitung zur Erfüllung einer rechtlichen Pflicht des Verantwortlichen erforderlich ist.

  • Führen von Personalakten
  • Beantworten behördlicher Anfragen
  • Prüfungs- und Berichtspflichten
5️⃣ Von der betroffenen Person öffentlich gemachte Daten

Hat die betroffene Person ihre personenbezogenen Daten öffentlich gemacht, können diese ohne ausdrückliche Einwilligung verarbeitet werden.
Der Verarbeitungszweck muss jedoch mit dem Zweck übereinstimmen, zu dem die Daten öffentlich gemacht wurden.

6️⃣ Begründung, Ausübung oder Schutz eines Rechts
  • Klage- und Vollstreckungsverfahren
  • Beweisführung in Rechtsstreitigkeiten
  • Forderungseinzug

Diese Regelung ist besonders für Abläufe in Recht, Finanzen und Personal wichtig.

7️⃣ Datenverarbeitung unter berechtigtem Interesse

Ist die Verarbeitung für die berechtigten Interessen des Verantwortlichen erforderlich und beeinträchtigt sie die Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Person nicht,
ist keine ausdrückliche Einwilligung erforderlich.

Beispiel: Verhältnismäßiger Einsatz betrieblicher Sicherheitskameras, über die die Betroffenen informiert wurden. ⚠️ Der häufigste Fehler: unnötige ausdrückliche Einwilligungen einholen

Wird trotz bestehender Rechtsgrundlage eine ausdrückliche Einwilligung eingeholt, kann dies zur Ungültigkeit der Einwilligung,
Compliance-Risiken und Bußgeldern führen.

✅ Fazit: ausdrückliche Einwilligung ist eine ergänzende Rechtsgrundlage
  • Sie ist nicht die erste Option.
  • Sie kommt zum Einsatz, wenn keine anderen Rechtsgründe vorliegen.
  • Eine fehlerhafte Ausgestaltung birgt erhebliche Risiken.

Für jede Datenverarbeitungsaktivität müssen zunächst die rechtlichen Verarbeitungsbedingungen analysiert werden,
und eine ausdrückliche Einwilligung sollte eingeholt werden, wenn sie tatsächlich erforderlich ist.


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Quellen und weiterführende Dokumente

Diese Dokumente dienen als Referenzen für die im Artikel behandelten Methoden und Regeln.

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